Arbeitnehmer sollten sich gegen Berufsunfähigkeit absichern, denn oft reicht die bei erzwungener vorzeitiger Rente ausgezahlte staatliche Stütze nicht aus. So bekommen Versicherte ihren Vertrag:
1. Früh abschließen
Je jünger und gesünder Sie sind und je risikoärmer Ihr Beruf, umso einfacher ist es für Sie, eine Berufsunfähigkeitspolice zu finden.
2. Anfragen anonym stellen
Wenn Sie bereits eine Vorerkrankung haben, sollten Sie über eine kostenlose Risikoabfrage herausfinden, ob Sie überhaupt noch einen Vertrag bekommen. Ein Versicherungsmakler etwa holt anonym bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften für ihren Fall Angebote ein.
2. Anfragen anonym stellen
Vorteil: Sie tauchen in keiner Datei auf. Denn wer einmal von einer Versicherung abgelehnt wurde, hat es schwer, überhaupt noch einen Vertrag zu bekommen. Die Informationen zu Vorerkrankungen und abgelehnten Fällen werden in der zentralen Datei der Versicherungswirtschaft, HIS, gespeichert.
3. Vorerkrankungen angeben
Sie müssen beim Abschluss des Vertrags sämtliche Vor-erkrankungen angeben. Einige Versicherer verlangen die Erkrankungen der vergangenen zehn Jahre, andere begnügen sich mit fünf Jahren. Wer einige Vorerkrankungen verschweigt, geht im Ernstfall leer aus.
3. Vorerkrankungen angeben
Die Versicherung wird im Schadensfall akribisch recherchieren, ob Sie Angaben vergessen haben. Wird der Versicherer fündig, kann er den Vertrag kündigen. Das Versicherungsvertragsgesetz bietet lediglich Policen, die seit zehn Jahren bestehen, einen gewissen Schutz.
4. Police und Geldanlage trennen
Hände weg von einem Kombi-Vertrag mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung. Denn die Einzahlungen in die Lebensversicherung erhöht die monatliche Prämie deutlich.
4. Police und Geldanlage trennen
Und wenn Sie einmal knapp bei Kasse sind und die Versicherung zeitweise nicht mehr bezahlen oder gar kündigen müssen, verlieren Sie auch den Schutz vor Berufsunfähigkeit. Und wenn Sie dann schon die eine oder andere Vorerkrankung haben, bekommen Sie mitunter keinen neuen Vertrag. 5. Auf genauen Tarif achten
Viele Versicherungsgesellschaften bieten mehrere Tarife mit ganz unterschiedlichen Bedingungen an. Daher lässt sich nicht pauschal sagen, wo der Schutz vor Berufsunfähigkeit besonders gut ist. Verbraucher müssen genau prüfen, welcher Tarif wie abgeschnitten hat.
5. Auf genauen Tarif achten
Bei der Suche nach der passenden Police helfen die Vergleiche der Zeitschrift "Finanztest" oder ein Beratungsgespräch bei einer der Verbraucherzentralen. bbr/luk
So richtig schief laufen Sachen immer nur bei anderen. Nie bei einem selbst. Und sich mit Horrorszenarien zu beschäftigen, ist so gar nicht die Sache der Bundesbürger. Oder haben Sie sich schon einmal ernsthaft gefragt, was passiert, wenn Sie nicht mehr Arbeiten und somit auch kein Geld mehr verdienen können? Wohl eher nicht. Denn solche Dinge passieren bekanntlich nur anderen.
Doch die Statistik spricht eine ganz andere Sprache. Jeder dritte Arbeiter und jeder fünfte Angestellte kann Jahre vor dem wohlverdienten Ruhestand seinen Beruf nicht mehr ausüben, hat der Verband der Rentenversicherungsträger ermittelt. Der soziale Absturz ist dann programmiert. Vom Staat erhalten insbesondere jüngere Jahrgänge gerade einmal wenige hundert Euro im Monat – oft zu wenig, um Miete, Kleidung oder schlichtweg Brot und Kaffee kaufen zu können.
Doch für solche Fälle können sich Arbeitnehmer, Selbstständige und Hausfrauen mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichern. "Eine entsprechende Police sollte jeder haben", erklärt Michael Wortberg, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Doch gerade einmal 23,7 Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Vom Staat gibt es kaum etwas
"Wer nicht mehr arbeiten kann, muss sich über Altersvorsorge oder andere Ausgaben keine Gedanken mehr machen", sagt Wortberg. Denn das Geld reicht dann nicht einmal mehr für das Nötigste. Vom Staat erhalten Betroffene zwar eine Erwerbsminderungsrente. Doch die fällt insbesondere für jüngere Jahrgänge, die nach dem 2.1.1961 geboren wurden, äußerst bescheiden aus.
Im Schnitt erhalten die rund 1,2 Millionen Betroffenen derzeit 706 Euro im Monat. Künftig dürfte es weniger sein. Zudem liegen die Hürden für die staatlichen Leistungen hoch. Die volle Erwerbsminderungsrente erhält der Betroffene nur dann, wenn er nicht einmal mehr in der Lage ist, drei Stunden am Tag zu arbeiten – wohl gemerkt in jedem x-beliebigen Beruf.
Denn was für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein absolutes Ausschlusskriterium ist, wird vom Staat praktiziert: Die so genannte abstrakte Verweisung. Das bedeutet nichts anderes, als dass jedem zugemutet werden kann, einen x-beliebigen Job anzunehmen, sofern er seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann.
Ein Professor oder Vorstand müsste sich de facto auch mit einer Stelle als Pförtner begnügen. "Viele überschätzen die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung", weiß Hajo Köster, Versicherungsexperte beim Bund der Versicherten aus seiner Beratungspraxis. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss.
Hohe Hürden
Doch eine entsprechende Versicherung ist gar nicht so einfach zu bekommen. Denn die Versicherungsgesellschaften prüfen sehr genau, wem sie überhaupt einen Vertrag anbieten. Jede noch so kleine Vorerkrankung muss genannt werden. Auch wer in einem risikoreichen Beruf arbeitet, in dem der Anteil derer, die irgendwann ihren Beruf nicht mehr ausüben können, hoch ist, erhält nur schwer einen Vertrag.
Um das mögliche Risiko optimal berechnen zu können, gruppieren Versicherer einzelne Berufszweige in unterschiedliche Risikoklassen. Wer beispielsweise Arzt oder Diplomkaufmann ist und in Risikogruppe 1 eingeteilt wird, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit – sofern dem keine gesundheitlichen Zipperlein widersprechen – leicht einen entsprechenden Vertrag.
Deutlich schwerer haben es hingegen Schornsteinfeger oder Dachdecker, die von vielen Gesellschaften in die höchste Risikoklasse eingestuft werden. "Wir empfehlen daher, in jungen Jahren und bester Gesundheit eine entsprechende Police abzuschließen", rät Versicherungsexperte Wortberg. Denn wenn sich zu einem risikoreichen Beruf noch Vorerkrankungen gesellen, dürfte der Betroffene bei der Suche einer Police leer ausgehen.
Häufig bestimmen die Versicherer jedoch auch, dass sie keinen Cent zahlen, sofern eine Vorerkrankung dazu führt, dass jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. In diese Rubrik fallen alle, deren Verträge mit Ausschlüssen versehen sind. Wie eine aktuelle Studie des Branchendienstes Morgen & Morgen zeigt, werden 4,72 Prozent aller Anträge abgelehnt und 10,74 Prozent mit Ausschlüssen und 2,99 Prozent mit Zuschlägen versehen.
Tarif finden
Verbraucher sollten aber nicht wahllos bei verschiedenen Versicherern anfragen und womöglich von einem Anbieter ein "Nein" kassieren. Denn Anträge, Informationen zu Vorerkrankungen und andere Informationen sammelt die Versicherungswirtschaft akribisch in ihrer Datei HIS.
Und wenn dort dokumentiert ist, dass eine Gesellschaft den Kunden abgelehnt hat, ist es fast unmöglich, überhaupt noch einen Vertrag zu bekommen. "Wir empfehlen daher unbedingt eine anonyme Anfrage über Makler", sagt Köster. Bei der Wahl des passenden Tarifs helfen die Vergleiche von "Finanztest" oder des Vergleichsportals Morgen & Morgen, das auch Verbraucherzentralen in ihrer Beratung nutzen.
Auch kommen Verbraucher vor Abschluss eines Vertrags nicht um einen Kassensturz herum. Wie viel Geld benötige ich, wie viel erhalte ich vom Staat, wenn ich nicht mehr arbeiten kann? "Kunden sollten zudem eine Dynamik oder eine Nachversicherungsgarantie vereinbaren, so dass die ursprünglich einmal vereinbarte Versicherungssumme sukzessive erhöht wird oder ohne Gesundheitsprüfung nach oben angepasst werden kann", rät Wortberg. Denn die einmal vereinbarte Rente von monatlich 2000 Euro schrumpft im Laufe der Jahre wegen der Inflation deutlich.
Und Tarife mit abstrakter Verweisung sind zwar selten geworden. "Doch es gibt sie nach wie vor", sagt Wortberg. In diesem Fall kann der Versicherer verlangen, dass der Betroffene jeden anderen Beruf ausübt, bevor auch nur ein Cent der Versicherungssumme fließt.
Das Perfide: Viele Versicherungsgesellschaften bieten unterschiedliche Tarife an. Daher kann ein Verbraucher nicht einfach davon ausgehen, dass eine entsprechende Police bei bestimmten Versicherungsgesellschaften mit besonders attraktiven Konditionen ausgestattet ist. "Das hängt einzig und allein vom Tarif ab", warnt Versicherungsexperte Köster.
Hartnäckigkeit gefragt
"Die Nagelprobe kommt im Schadensfall", sagt Köster. Da es für die Versicherungsgesellschaften um viel Geld geht, recherchieren diese genau, ob der Versicherungsfall auch tatsächlich eingetreten ist oder ob der Kunde beim Ausfüllen des Vertrags nicht doch vergessen hat, die eine oder andere Vorerkrankung anzugeben.
"Zahlungen werden herausgezögert, die Krankheitsgeschichte des Patienten regelrecht zerlegt", sagt Wortberg. Insbesondere bei psychischen Erkrankungen haben es Betroffene schwer, zu beweisen, dass sie tatsächlich nicht mehr in der Lage sind, zu arbeiten.
Wie eine aktuelle Studie von Morgen & Morgen zeigt, ist dies mit 27,49 Prozent einer der häufigsten Gründe, warum Versicherer die Zahlung verweigern. Und in immerhin 15,11 Prozent der Fälle kann sich die Gesellschaft um die Zahlung drücken, weil die Angaben zum Gesundheitszustand nicht ganz korrekt waren. Häufig landen die Streitfälle vor Gericht.
"Man kann durchaus raten, neben einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch gleich eine Rechtschutzversicherung abzuschließen", sagt Wortberg. Dann könne man sicher sein, im Ernstfall auch Geld zu erhalten. Und die Police ist trotz aller Widrigkeiten ein Muss. Schließlich laufen Sachen nicht immer nur bei anderen schief.





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